Der Traum von einer Medaille bei der Frauen-Basketball-WM 2026 lebt – und für die DBB-Frauen ist inzwischen sogar das Finale zum Greifen nah. Nach dem beeindruckenden 93:74 gegen Europameister Belgien steht die deutsche Auswahl erstmals überhaupt im Halbfinale einer Frauen-Basketball-WM. Dort wartet allerdings ein Gegner, der bei diesem Turnier bislang kaum Schwächen gezeigt hat. Deutschland trifft am Samstag, 12. September 2026, um 16:30 Uhr in der Berlin Arena auf das Top-Team aus Frankreich.
Am Samstag live: Deutschland gegen Frankreich
Das Halbfinale wird am Samstag live bei MagentaSport und bei ProSieben MAXX und Joyn. übertragen. Anpfiff in Berlin ist um 16:30 Uhr!





Frankreich reist als Weltranglistenzweiter, Vize-Olympiasieger 2024 und mit vier deutlichen WM-Siegen in das Halbfinale. Im Viertelfinale setzte sich die französische Auswahl mit 90:61 gegen China durch. Deutschland wiederum hat nach dem 53:83 zum Auftakt gegen Spanien vier Partien in Folge gewonnen und dabei von Spiel zu Spiel an Selbstvertrauen gewonnen.
Es ist ein Halbfinale zwischen zwei Teams, die gerade selbst WM-Geschichte schreiben. Deutschland steht erstmals unter den besten vier einer WM. Frankreich hat seit der ersten Frauen-WM 1953 nicht mehr zu den besten vier gehört und wartet seit damals auf eine weitere WM-Medaille.
Bundestrainer Olaf Lange sieht Frankreich in der Favoritenrolle, hat aber Ansatzpunkte für seine Taktik gefunden. Es sei eine „sehr athletische Mannschaft, sehr tief und dann zusätzlich natürlich auch vom Basketball-IQ sehr hoch“, so Lange vor dem Halbfinale. Es werde gegen die Französinnen auch um Druck gehen: „Da geht es immer darum, mit dem Druck klarzukommen, im Ganzfeld, aber auch im Halbfeld.“
Das erste Halbfinale ist für Samstag um 16:30 Uhr angesetzt. Die deutschen WM-Spiele sind im frei empfangbaren Fernsehen bei ProSieben beziehungsweise ProSieben MAXX sowie im kostenlosen Livestream bei Joyn zu sehen. Auch MagentaSport und MagentaTV übertragen das Turnier und die Halbfinalspiele live.
Das zweite Halbfinale zwischen Spanien und den USA beginnt um 20:00 Uhr. Das Spiel um Platz drei folgt am Sonntag um 16:30 Uhr, das WM-Finale am Sonntagabend um 20:00 Uhr.
Deutschland schreibt gegen Belgien WM-Geschichte
Schon der Einzug ins Viertelfinale war historisch. Gegen Belgien setzte Deutschland nun noch einen drauf. Vor 10.537 Zuschauer:innen in der Uber Arena gewann die DBB-Auswahl überraschend deutlich mit 93:74 gegen den amtierenden Europameister. Zur Halbzeit führte Deutschland mit 42:35, anschließend wuchs der Vorsprung weiter. Selbst Belgiens internationale Erfahrung und Superstar Emma Meesseman konnten den deutschen Lauf nicht mehr stoppen.
Besonders stark präsentierten sich Leonie Fiebich mit 17 Punkten und Nyara Sabally mit 16 Punkten und zwölf Rebounds. Auch Alexis Peterson-Smalls übernahm viel Verantwortung im Spielaufbau. Deutschland setzte Belgien defensiv unter Druck, spielte gleichzeitig mutig nach vorne und ließ sich auch in der entscheidenden Phase nicht mehr aus dem Rhythmus bringen.
Damit setzt sich eine bemerkenswerte Entwicklung während dieser WM fort:
| Spielpaarung | Ergebnis |
|---|---|
| Spanien – Deutschland | 83:53 |
| Deutschland – Japan | 74:58 |
| Deutschland – Mali | 83:58 |
| Deutschland – Südkorea | 94:56 |
| Belgien – Deutschland | 74:93 |
Nach der deutlichen Niederlage zum Auftakt hat Deutschland vier Spiele in Folge gewonnen. Vor allem offensiv fällt die Entwicklung auf: Nach lediglich 53 Punkten gegen Spanien folgten zuletzt 83, 94 und 93 Punkte. Die deutsche Auswahl hat damit längst bewiesen, dass sie nicht nur über ihre Defensive Spiele entscheiden kann sondern auf offensiv.
Frankreich bei dieser WM noch ohne Niederlage
Trotz der deutschen Erfolgsserie geht Frankreich als Favorit in das Halbfinale. Die Auswahl von Headcoach Jean-Aimé Toupane steht auf Rang zwei der FIBA-Weltrangliste und hat ihre bisherigen vier WM-Spiele allesamt deutlich gewonnen.
Frankreich hat damit in vier Spielen 395 Punkte erzielt – durchschnittlich 98,8 pro Partie. Gleichzeitig kassierte das Team lediglich 239 Zähler beziehungsweise knapp 60 Punkte pro Spiel.
Diese Differenz zeigt, was Frankreich bislang auszeichnet: Das Team ist nicht nur offensiv eines der spektakulärsten des Turniers, sondern erzeugt auch mit aggressiver Defense enormen Druck.
Schon nach der Gruppenphase führte FIBA Frankreich auf Platz eins seiner Power Rankings. Im Viertelfinale gegen China bestätigte die Auswahl diese Einschätzung eindrucksvoll.
Frankreich lässt China im Viertelfinale keine Chance
China war vor dem Viertelfinale durchaus zugetraut worden, Frankreich mit seiner Größe und insbesondere unter dem Korb Probleme zu bereiten. Dazu kam es kaum.
Frankreich gewann 90:61 und kontrollierte die Partie über weite Strecken. Marine Johannès und Janelle Salaün erzielten jeweils 15 Punkte, Gabby Williams kam auf 14 Zähler.
Besonders bemerkenswert war die französische Defense gegen die 2,20 Meter große Zhang Ziyu. Frankreich brachte beim Anspiel regelmäßig eine zweite Verteidigerin und hielt Chinas Center-Talent in der ersten Halbzeit ohne Punkt. Am Ende kam Zhang auf sieben Zähler.
Für Deutschland ist das eine wichtige Warnung. Frankreich besitzt genügend Athletik und taktische Variabilität, um auch größere Gegnerinnen unter dem Korb zu kontrollieren.
Ein einfaches Spiel über die deutschen Größenvorteile dürfte deshalb nicht reichen.
Frankreich stellt Dreierrekord gegen Nigeria auf
Wie explosiv die französische Offensive sein kann, zeigte besonders das letzte Gruppenspiel gegen Nigeria. Beim 111:56 verwandelte Frankreich 22 Dreier und stellte damit einen neuen Rekord für ein einzelnes Spiel bei einer Frauen-Basketball-WM auf. Bereits in der ersten Halbzeit fielen 14 Distanzwürfe. Mit 65 Punkten in den ersten 20 Minuten erzielte Frankreich zudem seinen höchsten Halbzeitwert bei einer WM.
Gabby Williams traf sechs Dreier und erzielte insgesamt 25 Punkte. Nach der Partie brachte sie die Entwicklung des französischen Teams auf eine kurze Formel: „The culture has changed.“ Entscheidend sei inzwischen, unabhängig von Spielstand und Gegner immer mit derselben Intensität aufzutreten.Genau das ist während dieser WM zu erkennen. Selbst bei klaren Führungen reduziert Frankreich den defensiven Druck kaum. Gleichzeitig kommt von der Bank genügend Qualität, um das Tempo hochzuhalten.
Gabby Williams als Motor des französischen Spiels
Im Mittelpunkt steht dabei Gabby Williams. Die Forward-Spielerin der Golden State Valkyries verbindet Athletik, Defense und Spielgestaltung und ist auf mehreren Positionen einsetzbar.
Nach der Gruppenphase führte Williams Frankreich mit durchschnittlich 18,7 Punkten an. Dazu kamen 4,7 Rebounds, 3,3 Assists und 2,7 Steals. Sie traf zu diesem Zeitpunkt bemerkenswerte 58,8 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld und 55 Prozent ihrer Dreier.
Im Viertelfinale gegen China folgten weitere 14 Punkte.
Williams ist für Deutschland deshalb gleich in mehrfacher Hinsicht problematisch. Sie kann selbst abschließen, Ballverluste erzwingen und anschließend im Fastbreak attackieren. Gleichzeitig benötigt Frankreich sie nicht dauerhaft als klassische Spielmacherin, weil mehrere Guards die Offensive organisieren können.
Mit Leonie Fiebich besitzt Deutschland allerdings eine der wenigen Spielerinnen, die aufgrund ihrer Kombination aus Größe, Beweglichkeit und defensiver Qualität für ein solches Matchup geeignet erscheint.
Marine Johannès kann ein Spiel innerhalb weniger Minuten verändern
Mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit benötigt Marine Johannès. Die Guard-Spielerin gehört zu den spektakulärsten Distanzschützinnen des internationalen Basketballs. Bei Olympia 2024 bekam Deutschland ihre Qualität unmittelbar zu spüren. Im damaligen Viertelfinale erzielte Johannès 24 Punkte und fünf Dreier und führte Frankreich zum 84:71.
Auch bei dieser WM befindet sie sich in hervorragender Form. In jedem der drei Gruppenspiele erzielte Johannès 17 Punkte, im Viertelfinale gegen China folgten 15 Zähler. Gegen die Chinesinnen traf sie im dritten Viertel zwei Dreier unmittelbar hintereinander und half damit, die Partie endgültig zu entscheiden.
Deutschland darf ihr deshalb kaum Raum hinter der Dreierlinie geben. Gleichzeitig ist Johannès gerade deshalb schwierig zu verteidigen, weil sie Würfe aus Positionen nimmt und trifft, aus denen andere Spielerinnen gar nicht erst abschließen würden.
Dominique Malonga sorgt für Größe und Athletik
Wer Frankreich ausschließlich auf Williams und Johannès reduziert, übersieht einen weiteren entscheidenden Faktor: Dominique Malonga. Die erst 20 Jahre alte Centerin misst 1,97 Meter und verbindet ihre Größe mit außergewöhnlicher Athletik. Nach der Gruppenphase kam sie auf durchschnittlich 13,3 Punkte und 6,7 Rebounds und traf fast 70 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld.
Dazu kommen Spielerinnen wie Janelle Salaün, Valériane Ayayi, Marième Badiane, Pauline Astier und Leïla Lacan. Die französische Tiefe ermöglicht es Toupane, permanent Druck zu erzeugen und die Spielzeit auf viele Schultern zu verteilen.
Das unterscheidet Frankreich auch von einigen bisherigen deutschen Gegnern: Es gibt nicht die eine Spielerin, deren Ausschalten das gesamte offensive Konzept entscheidend schwächt.
Deutschland verlor schon deutlich gegen Frankreich
Die beiden Teams kennen sich sehr gut – und das letzte Duell liegt gerade einmal sechs Monate zurück. Beim WM-Qualifikationsturnier in Villeurbanne am 14. März 2026 gewann Frankreich deutlich mit 85:63 gegen Deutschland. Bereits das erste Viertel ging mit 29:14 an die Gastgeberinnen.
Frankreich stellte Deutschland insbesondere mit seiner aggressiven Defense vor Probleme. Schon im ersten Viertel leistete sich die DBB-Auswahl mehrere Ballverluste im Spielaufbau. Auf der anderen Seite traf Frankreich effizient und dominierte zeitweise auch den Rebound. Janelle Salaün erzielte damals 18 Punkte und wurde als beste Spielerin der Partie ausgezeichnet.
Nyara Sabally formulierte anschließend eine Aussage, die vor dem Wiedersehen neue Bedeutung bekommt: „Die Französinnen haben unsere Schwächen gesehen und daraus müssen wir jetzt lernen.“
Sechs Monate später lässt sich überprüfen, wie viel Deutschland tatsächlich gelernt hat.
Olympia 2024: Frankreich beendete Deutschlands historischen Lauf
Auch das vorangegangene große Duell endete mit einem französischen Erfolg. Bei den Olympischen Spielen in Paris erreichte Deutschland 2024 bei seiner ersten Teilnahme direkt das Viertelfinale. Dort setzte sich Gastgeber Frankreich mit 84:71 durch.
Deutschland hielt das erste Viertel beim 19:23 noch offen. Anschließend startete Frankreich den zweiten Abschnitt mit einem 17:5-Lauf und setzte sich entscheidend ab. Die DBB-Auswahl traf insgesamt nur 35 Prozent aus dem Feld und 28,6 Prozent ihrer Dreier. Frankreich kam dagegen auf 48 Prozent beziehungsweise 40,7 Prozent von außen.
Marine Johannès war mit 24 Punkten die überragende französische Werferin, Gabby Williams steuerte 15 Punkte, sechs Rebounds und fünf Assists bei. Frankreich erreichte anschließend das olympische Finale und unterlag dort den USA denkbar knapp mit 66:67. Deutschland kennt also sehr genau, welches Niveau am Samstag wartet.
Der große Unterschied: Deutschland ist heute ein anderes Team
Trotz der beiden deutlichen Niederlagen gegen Frankreich spricht einiges dagegen, die Ergebnisse aus Paris und Villeurbanne einfach auf das WM-Halbfinale zu übertragen. Schon die vergangenen Tage haben gezeigt, wie schnell sich Deutschland entwickelt hat. Gegen Spanien wirkte die DBB-Auswahl zum Auftakt noch nicht eingespielt und verlor mit 30 Punkten Differenz. Sechs Tage später wurde Europameister Belgien mit 19 Punkten Vorsprung aus dem Turnier geworfen.
Fiebich spielt zunehmend stärker. Sabally lieferte gegen Belgien ihr erstes Double-Double dieser WM. Frieda Bühner hat sich während des Turniers als zusätzliche offensive Führungsspielerin etabliert. Marie Gülich und Luisa Geiselsöder sorgen unter dem Korb für Stabilität, während Peterson-Smalls dem Spiel Struktur gibt.
Vor allem aber ist die deutsche Defense inzwischen wesentlich stabiler. Japan wurde bei 58 Punkten gehalten, Mali ebenfalls bei 58, Südkorea sogar bei 56. Gegen Belgien war Deutschland erstmals zusätzlich in der Lage, diese defensive Qualität mit einer hochproduktiven Offensive gegen einen europäischen Topgegner zu verbinden.
Ballverluste könnten über das Halbfinale entscheiden
Gegen Frankreich dürfte kaum eine Statistik wichtiger sein als die Zahl der Turnover. Bereits beim 63:85 im März 2026 wurde Deutschland früh durch den französischen Druck zu Fehlern gezwungen. Genau darin liegt auch bei dieser WM eine besondere Stärke Frankreichs. Nach der Gruppenphase erzielte die französische Auswahl durchschnittlich 32 Punkte pro Spiel nach gegnerischen Ballverlusten.
Verliert Deutschland den Ball in der ersten Angriffslinie, wird es besonders schwierig. Williams, Salaün, Lacan und die weiteren französischen Guards und Forwards benötigen anschließend nur wenige Sekunden, um zum Abschluss zu kommen.
Deutschland muss deshalb kontrolliert spielen, ohne dabei passiv zu werden. Gerade Peterson-Smalls, Fiebich und Bühner werden bei der Ballkontrolle besonders gefordert sein.
Deutschlands Defense muss die Dreierlinie kontrollieren
Die zweite zentrale Aufgabe liegt auf der Hand. Ein Team, das während dieser WM bereits 22 Dreier in einer Partie getroffen hat, darf nicht zu offenen Würfen eingeladen werden. Frankreich besitzt dabei nicht nur eine einzelne Spezialistin. Williams, Johannès, Salaün, Ayayi, Astier und weitere Spielerinnen können aus der Distanz bestrafen.
Die deutsche Defense hat allerdings bereits bewiesen, dass sie einen extrem dreierlastigen Gegner aus dem Rhythmus bringen kann. Japan hatte zum WM-Auftakt gegen Mali noch 20 Distanztreffer erzielt. Einen Tag später ließ Deutschland lediglich drei erfolgreiche Dreier bei 27 japanischen Versuchen zu.
Gegen Frankreich dürfte das Prinzip ähnlich sein, die Herausforderung aber größer: Frankreich kann eine überaggressive Perimeter-Verteidigung mit Drives und Aktionen über Malonga oder Badiane am Korb bestrafen.
Deutschland muss selbst von außen treffen
Auch offensiv kommt der Dreierlinie große Bedeutung zu. Vor dem Viertelfinale hatte Deutschland bei dieser WM lediglich 25,2 Prozent seiner Distanzwürfe verwandelt. Gegen Belgien änderte sich das Bild – und gerade Fiebich sorgte früh mit erfolgreichen Dreiern dafür, dass der Europameister seine Defense nicht ausschließlich auf die Zone konzentrieren konnte.
Deutschland wird auch gegen Frankreich Treffer von außen brauchen. Denn die französische Defense besitzt genügend Größe und Athletik, um die Zone eng zu machen. Das zeigte das Viertelfinale gegen China eindrucksvoll. Fallen die deutschen Dreier nicht, kann Frankreich die Räume unter dem Korb immer weiter verdichten.
Treffen Fiebich, Bühner, Peterson-Smalls oder Alexandra Wilke dagegen früh von außen, verändern sich die Voraussetzungen erheblich.
Leonie Fiebich und Nyara Sabally werden erneut besonders wichtig
Gegen Belgien zeigten gerade Fiebich und Sabally, dass sie in den größten Spielen Verantwortung übernehmen können, so wie es Bundestrainer Lange zuvor forderte. Fiebich erzielte 17 Punkte und startete mit zwei erfolgreichen Distanzwürfen stark in die Partie. Sabally kam auf 16 Punkte und zwölf Rebounds.
Gegen Frankreich wird ihre Vielseitigkeit noch wichtiger. Fiebich dürfte defensiv immer wieder gegen Williams, Salaün oder andere große Flügelspielerinnen gefragt sein. Gleichzeitig muss sie offensiv ihren Größenvorteil gegen kleinere Guards nutzen.
Sabally wiederum benötigt Deutschland unter dem Korb und beim Rebound. Ihre Mobilität ermöglicht es Lange außerdem, defensiv häufiger zu wechseln, ohne sofort große Missmatches entstehen zu lassen.
Deutschland wird Frankreich kaum über eine einzelne überragende Scorerin schlagen können. Die Chance liegt vielmehr darin, erneut mehrere Spielerinnen in zweistellige Bereiche zu bringen und die Belastung offensiv zu verteilen.
Heimvorteil diesmal auf deutscher Seite
Auch psychologisch unterscheiden sich die Voraussetzungen erheblich vom Olympia-Viertelfinale 2024 und vom Qualifikationsspiel im März. Damals spielte Frankreich jeweils im eigenen Land. Diesmal ist Berlin der deutsche Heimcourt und die deutsche Crowd steht hinter dem Team. Gegen Belgien sorgten wieder 10.537 Fans für eine Atmosphäre, die Deutschland sichtbar zusätzliche Energie gab. Dirk Nowitzki verfolgte den historischen Sieg aus der ersten Reihe.
Frankreich kennt solche Situationen allerdings bestens. Bei Olympia 2024 spielte die Auswahl unter enormem Erwartungsdruck im eigenen Land und schaffte es dennoch bis ins Finale. Ein emotionaler Heimvorteil allein wird deshalb nicht ausreichen.
Er kann aber gerade dann wichtig werden, wenn das Spiel im vierten Viertel noch offen ist.
Deutschland gegen Frankreich: Ein Sieg garantiert eine WM-Medaille
Die Bedeutung des Halbfinals geht weit über den Einzug ins Endspiel hinaus. Gewinnt Deutschland gegen Frankreich, ist die erste WM-Medaille der Geschichte sicher. Die DBB-Auswahl würde am Sonntag um 20 Uhr im Finale antreten und mindestens Silber gewinnen.
Bei einer Niederlage bleibt eine zweite Chance: Deutschland würde am Sonntag um 16:30 Uhr im Spiel um Platz drei um Bronze kämpfen. Das Ziel hat sich damit innerhalb weniger Tage komplett verschoben. Vor Beginn des Turniers wäre bereits der erstmalige Einzug ins Viertelfinale ein historischer Erfolg gewesen. Nun gehört Deutschland zu den vier besten Teams der Welt.
Und nach dem 93:74 gegen Europameister Belgien erscheint auch ein Erfolg gegen Frankreich nicht mehr unrealistisch.
Frankreich ist Favorit – aber Deutschland hat seinen Glauben gefunden
Die Zahlen sprechen zunächst eindeutig für Frankreich. Vier Spiele, vier klare Siege, fast 99 Punkte im Schnitt, Rang zwei der Weltrangliste und die Silbermedaille von Paris 2024. Dazu kommen zwei deutliche Siege gegen Deutschland innerhalb der vergangenen gut zwei Jahre – 84:71 bei Olympia und 85:63 im März 2026.
Doch die Heim-WM hat längst ihre eigene Dynamik entwickelt.
Deutschland hat nach dem Fehlstart gegen Spanien viermal hintereinander gewonnen, die Defense stabilisiert und im Viertelfinale ausgerechnet den amtierenden Europameister deutlich ausgeschaltet. Fiebich und Sabally steigern sich, Bühner hat den nächsten Entwicklungsschritt gemacht und die deutsche Rotation produziert inzwischen auf vielen Positionen.
Für einen Finaleinzug braucht es dennoch die wahrscheinlich beste deutsche Leistung des gesamten Turniers. Ballverluste müssen minimiert, Frankreichs Fastbreak gestoppt und die Dreierlinie konsequent verteidigt werden. Gleichzeitig muss Deutschland offensiv genug Gefahr von außen entwickeln, damit Frankreich die Zone nicht komplett schließen kann.
Frankreich hat bei dieser WM bislang jeden Gegner kontrolliert. Deutschland hat dafür gerade bewiesen, dass Favoritenstatus in einem K.-o.-Spiel wenig bedeuten muss.
Am Samstag geht es deshalb nicht mehr nur um einen weiteren historischen Erfolg. Deutschland gegen Frankreich ist ein Spiel um das WM-Finale – und um die sichere erste deutsche WM-Medaille.
