Für Deutschlands Basketballerinnen beginnt bei der Frauen-Basketball-WM 2026 die entscheidende Phase. Nach Platz zwei in der Gruppe A treffen die deutsche DBB-Frauen am Dienstag, 8. September 2026, um 20:45 Uhr in der Berlin Arena auf Südkorea. Der Sieger aus diesem Qualifikationsspiel steht im Viertelfinale, für den Verlierer ist die Weltmeisterschaft beendet.
Deutschland geht nach zwei überzeugenden Siegen gegen Japan und Mali mit Rückenwind in das K.-o.-Spiel. Südkorea belegte dagegen mit einem Sieg und zwei Niederlagen Rang drei in Gruppe B. Einen deutlichen Hinweis auf die Kräfteverhältnisse gibt es bereits: Deutschland und Südkorea trafen erst im März 2026 beim WM-Qualifikationsturnier in Frankreich aufeinander. Damals setzte sich das DBB-Team klar mit 76:49 durch.
Ein Selbstläufer wird das Wiedersehen trotzdem nicht. Südkorea hat bei dieser WM bereits gezeigt, wie gefährlich das Team mit schnellem Passspiel und hoher Trefferquote von außen werden kann. Beim Auftakterfolg gegen Nigeria erzielten die Koreanerinnen 99 Punkte.
Der Deutsche Basketball Bund bestätigte nach dem Sieg gegen Mali sowohl die Ansetzung um 20:45 Uhr als auch die Übertragungen bei ProSieben MAXX, Joyn, MagentaSport und MagentaTV. Ab der Finalphase werden die Spiele in der großen Berlin Arena ausgetragen.
Deutschland zieht als Gruppenzweiter ins Play-In ein
Nach dem schwierigen Start in die Heim-WM hat sich die Ausgangslage für Deutschland innerhalb weniger Tage deutlich verbessert.
Zum Auftakt unterlag die Auswahl von Bundestrainer Olaf Lange Spanien klar mit 53:83. Bereits einen Tag später folgte jedoch eine starke Reaktion beim 74:58 gegen Japan. Deutschland kontrollierte insbesondere die japanischen Distanzschützinnen und legte damit den Grundstein für den ersten deutschen WM-Sieg seit 1998.
Im abschließenden Gruppenspiel gegen Mali bestätigte das DBB-Team den Aufwärtstrend. Deutschland setzte sich mit 83:58 durch und sicherte sich damit Rang zwei in Gruppe A. Weil Spanien parallel sein Spiel gegen Japan gewann, reichte es nicht mehr zum direkten Viertelfinaleinzug.
Die Entwicklung innerhalb der Vorrunde ist dennoch bemerkenswert. Nach den lediglich 53 Punkten gegen Spanien erzielte Deutschland zunächst 74 gegen Japan und anschließend 83 gegen Mali. Gleichzeitig funktionierte die Defense in den beiden gewonnenen Partien deutlich besser: Sowohl Japan als auch Mali wurden bei 58 Punkten gehalten.
Gegen Mali überzeugt Deutschland auf beiden Seiten des Feldes
Das 83:58 gegen Mali war die bislang kompletteste deutsche Vorstellung bei dieser WM. Nach einem noch umkämpften ersten Viertel setzte sich Deutschland zunehmend ab und führte bereits zur Halbzeit mit 49:32. Im dritten Viertel wuchs der Vorsprung auf 20 Punkte an. Vor 12.550 Zuschauerinnen und Zuschauern brachte das DBB-Team den Erfolg anschließend souverän nach Hause.
Besonders auffällig waren Frieda Bühner mit 21 Punkten und Luisa Geiselsöder mit 17 Punkten. Alexis Peterson-Smalls meldete sich nach ihrem krankheitsbedingten Ausfall gegen Japan ebenfalls zurück und steuerte neun Punkte bei.
Bundestrainer Olaf Lange zeigte sich entsprechend zufrieden: „Wir haben sehr gut gespielt und gut verteidigt.“ Sein Team habe den defensiven Plan konsequent umgesetzt und genau gewusst, welche Spielerinnen Malis auf welche Weise verteidigt werden sollten.
Viel Zeit zum Feiern gibt es allerdings nicht. Lange machte unmittelbar nach der Partie deutlich, dass Regeneration und die Vorbereitung auf Südkorea sofort Priorität besitzen.
Olaf Lange sieht Parallelen zwischen Südkorea und Japan
Interessant ist vor allem Langes erste taktische Einschätzung des Achtelfinalgegners. Der Bundestrainer sieht deutliche Parallelen zum bereits geschlagenen japanischen Team.
„Sie haben viel Off-Ball Action und sind ähnlich zu Japan. Da sollten wir schon was gelernt haben“, sagte Lange nach dem Mali-Spiel über Südkorea.
Damit dürfte ein wesentlicher Teil des deutschen Gameplans bereits feststehen. Südkorea versucht ähnlich wie Japan, mit viel Bewegung ohne Ball, schnellen Pässen und Distanzwürfen Lücken in der Defense zu erzeugen.
Deutschland hat gegen Japan bereits bewiesen, dass dieses Konzept verteidigt werden kann. Japan hatte im Auftaktspiel gegen Mali noch 20 Dreier getroffen und damit einen WM-Rekord aufgestellt. Gegen Deutschland gelangen anschließend nur drei Treffer bei 27 Versuchen von außen.
Diese defensive Disziplin wird auch gegen Südkorea benötigt.
Südkorea startet mit 99 Punkten in die WM
Dass Deutschland den Gegner nicht unterschätzen darf, zeigte bereits Südkoreas erstes WM-Spiel.
Gegen den amtierenden Afrikameister Nigeria gewann die koreanische Auswahl mit 99:81. Das Team traf dabei 52 Prozent seiner Würfe aus dem Feld und sogar 50 Prozent seiner Dreier. Zudem verteilte Südkorea außergewöhnliche 32 Assists.
Im Mittelpunkt stand Jihyun Park. Die 26-Jährige erzielte 27 Punkte, holte sechs Rebounds und verbuchte sechs Steals. Leeseul Kang ergänzte 20 Punkte, sieben Assists und fünf Rebounds.
Damit zeigte Südkorea genau jene Stärken, vor denen Lange bereits beim ersten Duell im März gewarnt hatte: Geschwindigkeit, gute Ballbewegung und gefährliche Distanzwürfe.
Zwei Niederlagen nach dem starken Auftakt
Die folgenden beiden Gruppenspiele verliefen für Südkorea allerdings deutlich schwieriger.
Gegen Frankreich hielt das Team zunächst gut mit und gewann das erste Viertel sogar mit 31:24. Anschließend übernahm der europäische Topfavorit jedoch vollständig die Kontrolle. Frankreich gewann am Ende mit 95:69.
Im entscheidenden Spiel um Rang zwei der Gruppe B unterlag Südkorea am Montag Ungarn mit 73:82. Die Partie blieb über weite Strecken offen. Ungarn führte nach dem ersten Viertel nur mit vier Punkten, zur Halbzeit stand es 40:36. Auch nach drei Vierteln betrug der Unterschied lediglich zwei Punkte. Erst im Schlussabschnitt setzte sich Ungarn entscheidend ab.
Damit beendete Südkorea die Gruppenphase mit einer Bilanz von einem Sieg und zwei Niederlagen. Frankreich wurde ungeschlagen Gruppensieger, Ungarn sicherte sich Rang zwei und Südkorea zog als Dritter in die Qualifikation zum Viertelfinale ein.
Jihyun Park ist Südkoreas wichtigste Scorerin
Der auffälligste Name im koreanischen Team ist bislang Jihyun Park. Nach Abschluss der Gruppenphase kommt sie auf durchschnittlich 16,7 Punkte pro Spiel und ist damit Südkoreas beste Scorerin. Zudem verbucht sie 2,7 Steals pro Partie.
Besonders ihr Auftritt gegen Nigeria zeigte ihre Vielseitigkeit. Park kann aus der Distanz treffen, den Korb attackieren und defensiv Passwege zustellen. Deutschland muss deshalb vermeiden, dass sie früh ins Spiel findet.
Daneben besitzt Südkorea mit Isaem Choi, Haeran Lee und Leeseul Kang weitere gefährliche Optionen. Choi erzielt bei dieser WM durchschnittlich 12,3 Punkte, Lee kommt auf elf Zähler pro Spiel. Kang gehört wiederum zu den gefährlichsten Distanzschützinnen des Teams.
Gerade Kang kennt Deutschland bereits aus dem März-Duell. Beim WM-Qualifikationsturnier erzielte sie gegen die DBB-Auswahl elf Punkte. Während des gesamten Qualifikationsturniers kam sie auf durchschnittlich 18,6 Punkte und traf 41,5 Prozent ihrer Dreier.
Deutschland gewann das erste Duell 2026 mit 27 Punkten Vorsprung
Der größte Mutmacher für Deutschland ist der direkte Vergleich vom 11. März 2026.
Beim gemeinsamen WM-Qualifikationsturnier in Lyon-Villeurbanne setzte sich Deutschland mit 76:49 gegen Südkorea durch. Bereits nach dem ersten Viertel führte das DBB-Team mit 23:12, zur Halbzeit stand es 40:20.
Deutschland hielt Südkorea damals bei lediglich 26 Prozent Trefferquote aus dem Feld und 15,2 Prozent von der Dreierlinie. Gleichzeitig dominierte das Team von Olaf Lange das Spiel körperlich und erlaubte dem Gegner kaum einfache Abschlüsse.
Beste deutsche Spielerin war damals bereits Frieda Bühner. Sie erzielte 21 Punkte, neun Rebounds und vier Assists und kam auf eine Effizienz von 24.
Der direkte Vergleich besitzt damit durchaus Aussagekraft: Beide Teams spielten erst vor rund sechs Monaten gegeneinander und ein großer Teil der aktuellen Leistungsträgerinnen war bereits dabei.
Trotzdem wäre es gefährlich, aus dem 27-Punkte-Sieg automatisch einen ähnlich deutlichen WM-Erfolg abzuleiten. Ein einzelnes K.-o.-Spiel besitzt eine völlig andere Dynamik – und Südkorea hat gegen Nigeria gezeigt, wie schnell sich eine Partie verändern kann, wenn die Dreier fallen.
Frieda Bühner entwickelt sich zur deutschen Schlüsselspielerin
Besonders Frieda Bühner hat ihre starke Form aus der WM-Qualifikation nach Berlin mitgenommen.
Nach lediglich vier Punkten gegen Spanien folgten 19 Punkte gegen Japan und 21 gegen Mali. Damit war sie in beiden deutschen Siegen beste Werferin. Gegen Japan traf sie acht ihrer zwölf Würfe aus dem Feld, darunter drei von vier Dreiern.
Ihre Entwicklung könnte gegen Südkorea erneut entscheidend werden. Bühner besitzt genug Größe, um kleinere Gegenspielerinnen am Korb zu attackieren, kann gleichzeitig aber auch von außen treffen.
Hinzu kommt Luisa Geiselsöder, die gegen Mali ihr bislang stärkstes WM-Spiel zeigte. Die Centerin erklärte anschließend, sie habe aufgehört, zu viel nachzudenken. Nachdem die ersten Würfe gefallen seien, habe sie ihren Rhythmus gefunden. Den individuellen Erfolg stellte sie jedoch ausdrücklich hinter die Leistung des gesamten Teams.
Gerade diese offensive Breite ist für Deutschland ein gutes Zeichen. Das Team ist nicht darauf angewiesen, dass eine einzelne Spielerin 25 oder 30 Punkte erzielt.
Deutschlands Größenvorteil dürfte erneut wichtig werden
Taktisch bietet die Partie einen ähnlichen Kontrast wie das Spiel gegen Japan. Südkorea verfügt über schnelle Guards und viele gute Werferinnen, Deutschland dagegen über erhebliche Vorteile bei Größe und Physis.
Beim ersten Duell im März gelang es der DBB-Auswahl bereits, diese Vorteile konsequent zu nutzen.
Auch während der Heim-WM waren die Rebounds eine der wichtigsten deutschen Stärken. Gegen Mali kontrollierte Deutschland sowohl das eigene als auch das gegnerische Brett und verhinderte dadurch viele zweite Chancen.
Genau das sollte auch gegen Südkorea Priorität besitzen. Jeder Defensivrebound nimmt dem Gegner eine weitere Wurfchance und bietet Deutschland gleichzeitig die Möglichkeit, selbst kontrolliert nach vorne zu spielen.
Offensiv könnten Marie Gülich, Nyara Sabally und Geiselsöder Südkorea unter dem Korb beschäftigen. Auch Leonie Fiebich und Bühner können kleinere Gegenspielerinnen aufgrund ihrer Größe attackieren.
Südkoreas Dreier müssen kontrolliert werden
Auf der anderen Seite dürfte die Verteidigung der Dreierlinie erneut zu den wichtigsten Aufgaben gehören.
Südkorea traf beim 99:81 gegen Nigeria jeden zweiten Dreier. Bereits beim WM-Qualifikationsturnier hatte das Team seine Qualität von außen gezeigt. FIBA bezeichnete insbesondere Leeseul Kangs Distanzwurf schon vor der WM als eine der größten koreanischen Waffen.
Deutschland darf deshalb nicht zulassen, dass Südkorea in einen ähnlichen Rhythmus wie gegen Nigeria kommt.
Dazu gehört auch die Kontrolle der eigenen Ballverluste. Schlechte Pässe oder überhastete Abschlüsse ermöglichen Südkorea schnelle Gegenangriffe, bevor sich die deutsche Defense sortieren kann.
Gelingt es Deutschland dagegen, die Partie ins Halbfeld zu verlagern und die körperlichen Vorteile auszuspielen, spricht vieles für die Gastgeberinnen.
Belastung wird zum zusätzlichen Faktor
Eine Besonderheit des Turnierplans ist die enorme Belastung für Deutschland. Das Spiel gegen Südkorea ist bereits die vierte Partie innerhalb von fünf Tagen.
Freitag spielte Deutschland gegen Spanien, Samstag gegen Japan, nach einem freien Sonntag folgte am Montag Mali – und bereits am Dienstag steht das K.-o.-Spiel gegen Südkorea an.
Lange hatte den engen WM-Spielplan bereits vor dem Gruppenfinale kritisch angesprochen. Nach dem Sieg gegen Mali verzichtete er deshalb bewusst auf große Feierlichkeiten und richtete den Blick unmittelbar auf die Regeneration.
Allerdings besitzt Südkorea keinen nennenswerten Vorteil. Auch die koreanische Auswahl spielte am Montag gegen Ungarn und muss am Dienstag erneut antreten.
Bei einem Sieg wartet Belgien im Viertelfinale
Die Bedeutung des Spiels ist eindeutig: Deutschland gegen Südkorea ist ein echtes K.-o.-Duell.
Als Zweiter der Gruppe A trifft Deutschland auf den Dritten der Gruppe B. Der Sieger zieht ins Viertelfinale ein. Dort wartet bereits Belgien, das die Gruppe C mit drei Siegen aus drei Spielen gewonnen und sich direkt für die Runde der besten Acht qualifiziert hat.
Belgien gehört nach dem Europameistertitel 2025 und den bisherigen Leistungen in Berlin zu den Medaillenfavoriten. Für Deutschland ist das jedoch zunächst Zukunftsmusik.
Der Fokus liegt vollständig auf Südkorea.
Deutschland kann erstmals ein WM-Viertelfinale erreichen
Ein Erfolg hätte zudem historische Bedeutung. Deutschland nimmt erst zum zweiten Mal überhaupt an einer Frauen-Basketball-WM teil.
Bei der bislang einzigen Teilnahme 1998 – ebenfalls im eigenen Land – belegte Deutschland am Ende Rang elf und erreichte nicht das Viertelfinale. Ein Sieg gegen Südkorea würde deshalb die beste deutsche WM-Platzierung der Geschichte bereits sicherstellen und erstmals den Sprung unter die besten acht Teams der Welt bedeuten.
Die Voraussetzungen sind günstig. Deutschland hat nach dem schweren Auftakt gegen Spanien zunehmend zu seinem Spiel gefunden, gegen Japan defensiv überzeugt und gegen Mali anschließend auch offensiv einen deutlichen Schritt gemacht.
Südkorea besitzt genug Wurfqualität, um Deutschland Probleme zu bereiten. Gleichzeitig sprechen die bisherigen Ergebnisse, die körperlichen Vorteile und insbesondere das 76:49 aus dem März für das DBB-Team.
Entscheidend wird sein, diesen Favoritenstatus nicht mit Sicherheit zu verwechseln. Ein K.-o.-Spiel lässt keinen schwachen Abend mehr zu.
Deutschland braucht noch einmal dieselbe defensive Konzentration wie gegen Japan und Mali, muss die koreanischen Distanzschützinnen kontrollieren und seine Vorteile unter dem Korb nutzen. Gelingt das, könnte die Heim-WM am Dienstagabend ihren nächsten historischen Moment erleben.
Ein Sieg gegen Südkorea – und Deutschland steht erstmals in einem WM-Viertelfinale.