Die Ausgangslage könnte vor dem letzten Vorrundenspiel der Frauen-Basketball-WM 2026 kaum spannender sein. Deutschland trifft am Montag, 7. September 2026, um 17:50 Uhr in der Berlin Arena auf Mali. Vor dem dritten Spieltag stehen in Gruppe A tatsächlich alle vier Teams bei einem Sieg und einer Niederlage. Für die deutsche Auswahl ist deshalb vom direkten Einzug ins Viertelfinale bis zum frühen Ausscheiden noch alles möglich.
Nach dem ernüchternden 53:83 zum Auftakt gegen Spanien zeigte Deutschland beim 74:58 gegen Japan die erhoffte Reaktion. Mali sorgte am selben Tag sogar für eine der bislang größten Überraschungen der WM in Berlin: Der Außenseiter besiegte Vize-Europameister Spanien mit 82:73. Wer vor Turnierbeginn einen vermeintlich einfachen Abschluss der Gruppenphase für Deutschland erwartet hatte, dürfte seine Einschätzung spätestens nach diesem Ergebnis korrigiert haben.
Deutschland kann noch Gruppensieger werden – oder auch ausscheiden
Das Besondere vor dem letzten Spieltag: Spanien, Mali, Japan und Deutschland weisen jeweils eine Bilanz von 1:1 Siegen auf. Spanien führt die Tabelle aufgrund der bisherigen Ergebnisse vor Mali, Japan und Deutschland an. Für die endgültige Platzierung sind die möglichen Konstellationen am Montag allerdings eindeutig.
| Deutschland – Mali | Spanien – Japan | Platz Deutschland |
|---|---|---|
| Deutschland gewinnt | Japan gewinnt | 1. Platz – direkt im Viertelfinale |
| Deutschland gewinnt | Spanien gewinnt | 2. Platz – Qualifikation zum Viertelfinale |
| Mali gewinnt | Spanien gewinnt | 3. Platz – Qualifikation zum Viertelfinale |
| Mali gewinnt | Japan gewinnt | 4. Platz – ausgeschieden |
Die Höhe der Ergebnisse spielt in diesen vier Szenarien keine Rolle. Weil am Ende keine Dreiervergleiche mehr entstehen können, entscheidet jeweils der direkte Vergleich zwischen den Teams mit gleicher Bilanz.
Damit besitzt Deutschland sein Schicksal zumindest teilweise selbst in der Hand. Ein Sieg gegen Mali garantiert das Weiterkommen. Gewinnt parallel Japan gegen Spanien, wäre Deutschland sogar überraschend Gruppensieger und stünde ohne zusätzliches K.-o.-Spiel direkt im Viertelfinale.
Bei einer Niederlage müsste Deutschland dagegen auf einen spanischen Sieg gegen Japan hoffen.
Olaf Lange: „Wir müssen gewinnen!“
Bundestrainer Olaf Lange formuliert die Aufgabe vor dem Gruppenfinale entsprechend eindeutig: „Morgen ist es ganz einfach: Wir müssen gewinnen!“
Gleichzeitig warnt Lange ausdrücklich vor den Stärken des Gegners. Mali sei „sehr athletisch, sehr kräftig, sehr dynamisch“. Im Vergleich mit Japan erwartet Deutschland deshalb eine grundlegend andere Partie. Besonders wichtig seien die individuelle Verteidigung, die Kontrolle der Rebounds und das Verhindern einfacher Abschlüsse am Korb.
Genau darin liegt eine der größten taktischen Herausforderungen. Japan versuchte Deutschland mit Geschwindigkeit, Bewegung und vielen Distanzwürfen zu beschäftigen. Mali bringt ebenfalls Tempo mit, kombiniert dieses aber mit deutlich mehr Physis und aggressiven Aktionen in Richtung Korb.
Deutschland meldet sich gegen Japan zurück
Dass Deutschland mit Selbstvertrauen in das Gruppenfinale gehen kann, liegt vor allem an der starken Reaktion gegen Japan. Nur einen Tag nach dem 53:83 gegen Spanien gewann die DBB-Auswahl in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle mit 74:58. Es war Deutschlands erster Sieg bei einer Frauen-WM seit 28 Jahren.
Vor allem defensiv präsentierte sich Deutschland deutlich verbessert. Japan hatte beim 102:97 gegen Mali am ersten Spieltag noch einen WM-Rekord von 20 erfolgreichen Dreiern aufgestellt. Gegen Deutschland traf die japanische Auswahl dagegen lediglich drei von 27 Versuchen von jenseits der Linie.
Deutschland erwischte einen hervorragenden Start und führte nach dem ersten Viertel bereits mit 28:11. Zwar kam Japan bis zur Halbzeit noch einmal auf 34:29 heran, nach dem Seitenwechsel übernahm das DBB-Team jedoch wieder die Kontrolle.
Frieda Bühner war mit 19 Punkten beste deutsche Werferin, Nyara Sabally steuerte 18 Punkte bei. Marie Gülich kam auf elf und Emma Eichmeyer auf zehn Zähler.
Lange zeigte sich insbesondere mit der Reaktion nach dem Spanien-Spiel zufrieden. Spirit und Teamleistung seien deutlich besser gewesen. Die konsequente Verteidigung der Dreierlinie habe die Grundlage für den Sieg gelegt.
Auch Bühner hob hervor, wie wichtig die mentale Reaktion auf das Auftaktspiel gewesen sei. Deutschland habe nach der Niederlage gegen Spanien bewusst darauf gesetzt, das Ergebnis abzuschütteln und mit klarem Kopf gegen Japan aufzutreten.
Fragezeichen hinter Alexis Peterson-Smalls
Beim Japan-Spiel musste Deutschland kurzfristig auf Alexis Peterson-Smalls verzichten. Die Spielmacherin konnte aufgrund eines akuten Infekts nicht eingesetzt werden. Britta Daub rückte für sie in die Startformation.
In der offiziellen DBB-Vorschau auf Mali wurde bislang keine neue medizinische Einschätzung zu Peterson-Smalls veröffentlicht. Ihr Einsatz bleibt damit vor dem Gruppenfinale ein wichtiger Punkt, auf den zu achten sein wird. Gerade gegen Malis aggressive und körperliche Verteidigung könnte die Erfahrung der Point Guard wertvoll sein. Sollte sie erneut fehlen, müsste Deutschland die Organisation des Spielaufbaus wiederum auf mehrere Spielerinnen verteilen.
Mali schockt Spanien
Wer Mali nach der knappen 97:102-Auftaktniederlage gegen Japan bereits abgeschrieben hatte, wurde am zweiten Spieltag eindrucksvoll eines Besseren belehrt.
Die afrikanische Auswahl besiegte Spanien mit 82:73. Dabei handelte es sich nicht nur um eine Überraschung innerhalb der Gruppe, sondern um einen historischen Erfolg: Es war erst Malis zweiter Sieg überhaupt bei einer Frauen-Weltmeisterschaft und der erste gegen ein europäisches Team. Der vorherige WM-Erfolg lag bereits 16 Jahre zurück.
Besonders beeindruckend war die Art und Weise. Mali spielte aggressiv, suchte konsequent den Fastbreak und attackierte den Korb. Im dritten Viertel folgte dann auch noch ein außergewöhnlicher Lauf von der Dreierlinie: Nach nur einem Treffer bei den ersten neun Versuchen verwandelte Mali plötzlich sechs von sieben Dreiern.
Das dritte Viertel ging mit 31:19 an Mali und drehte die Partie endgültig. Spanien traf seinerseits insgesamt nur vier von 22 Dreiern.
Sika Koné als größte Gefahr für Deutschland
Im Mittelpunkt steht bei Mali vor allem Sika Koné. Die 1,90 Meter große Power Forward gehört auch international zu den auffälligsten Spielerinnen auf ihrer Position.
Gegen Japan kam Koné auf 21 Punkte und elf Rebounds. Beim historischen Sieg gegen Spanien folgten 19 Punkte und zehn Rebounds. Damit schrieb sie WM-Geschichte: Koné ist die erste Spielerin, die bei einer Frauen-Weltmeisterschaft fünf Double-Doubles in Folge erreicht hat.
Nach zwei WM-Partien 2026 steht sie damit bei durchschnittlich 20 Punkten und 10,5 Rebounds.
Für Deutschland dürfte es besonders wichtig sein, Koné nicht früh in einen Rhythmus kommen zu lassen. Sie arbeitet stark am offensiven Brett, kann körperlich zum Korb gehen und besitzt zugleich genügend Beweglichkeit, um auch außerhalb der Zone gefährlich zu werden.
Nach dem Sieg gegen Spanien machte Koné deutlich, welchen Stellenwert der Erfolg für Mali besitzt. Gleichzeitig betonte sie, dass sich die Auswahl keineswegs überrascht vom eigenen Leistungsvermögen gezeigt habe. Entscheidend sei, weiter an den eigenen Plan zu glauben.
Mali besitzt mehr als nur einen Star
Eine Konzentration ausschließlich auf Koné wäre allerdings gefährlich. Djeneba N’Diaye ist nach zwei Spielen sogar Malis beste Scorerin und kommt auf durchschnittlich 20,5 Punkte. Aminata Sangaré erzielt im Schnitt 15 Punkte und acht Rebounds.
Das verdeutlicht, warum Mali offensiv bislang so gefährlich ist. Der Gegner besitzt mehrere Spielerinnen, die Verantwortung übernehmen können.
Vor Turnierbeginn hatte FIBA neben Koné vor allem Maimouna Haidara als mögliche Schlüsselspielerin herausgestellt. Bei der WM-Qualifikation gehörte sie zu den produktivsten Akteurinnen Malis.
Dass sich während der WM nun auch N’Diaye und Sangaré offensiv stark präsentieren, macht Mali deutlich schwerer auszurechnen.
Mali erzielt bislang fast 90 Punkte pro Spiel
Der statistische Vergleich nach jeweils zwei Gruppenspielen zeigt, wie unterschiedlich die beiden Teams bislang aufgetreten sind.
| Statistik pro Spiel | Deutschland | Mali |
|---|---|---|
| Punkte | 63,5 | 89,5 |
| Rebounds | 46,0 | 38,5 |
| Assists | 15,5 | 25,0 |
| Zweierquote | 42,7 % | 55,6 % |
| Dreierquote | 24,0 % | 40,0 % |
| Freiwurfquote | 75,0 % | 78,1 % |
Mali hat offensiv bislang erheblich bessere Werte produziert. Deutschland besitzt dagegen einen deutlichen Vorteil bei den Rebounds.
Die Zahlen müssen allerdings im Kontext betrachtet werden. Deutschland traf im Auftaktspiel auf ein überragendes Spanien und kam lediglich auf 53 Punkte. Gegen Japan waren es bereits 74. Mali spielte beim offensiv geprägten 97:102 gegen Japan wiederum in einer Partie mit extrem hohem Tempo.
Trotzdem ist offensichtlich: Deutschland darf Mali offensiv nicht ins Rollen kommen lassen.
Rebounds werden zum Schlüssel
Lange hat den Rebound bereits als einen der wichtigsten Faktoren für Montag hervorgehoben. Das passt zu den bisherigen deutschen Leistungen.
Mit durchschnittlich 46 Rebounds pro Partie gehört dieser Bereich zu Deutschlands klaren Stärken. Gegen Japan war die Präsenz an den Brettern ein wichtiger Grund dafür, dass das Spieltempo kontrolliert und zahlreiche zweite Chancen des Gegners verhindert werden konnten.
Gegen Mali dürfte die Aufgabe körperlich allerdings anspruchsvoller werden. Koné gehört zu den stärksten Rebounderinnen des Turniers, Sangaré trägt ebenfalls erheblich zur Präsenz unter den Brettern bei.
Deutschland muss deshalb verhindern, dass Mali über Offensivrebounds zu zweiten und dritten Wurfchancen kommt.
Umgekehrt bieten sich dort auch Möglichkeiten. Wenn Gülich, Sabally, Geiselsöder und die weiteren großen deutschen Spielerinnen am offensiven Brett Druck entwickeln, kann Deutschland das Tempo reduzieren und Mali häufiger in eine geordnete Halbfeldverteidigung zwingen.
Deutschland darf Mali nicht laufen lassen
Eine weitere Priorität ist Malis Umschaltspiel. Lange bezeichnet Malis Aktionen in der Transition ausdrücklich als eine der größten Stärken.
Ballverluste können deshalb besonders teuer werden. Deutschland hatte während der Vorbereitung und phasenweise auch zum WM-Auftakt Probleme, unter Druck ruhig im Spielaufbau zu bleiben.
Gegen Japan funktionierte die Ballbewegung bereits besser. Gegen Mali wird jedoch wesentlich mehr körperlicher Druck erwartet.
Nach eigenen Fehlwürfen muss Deutschland außerdem sofort zurückarbeiten. Mali benötigt häufig keine ausgearbeiteten Systeme, um gefährlich zu werden. Nach Ballgewinnen oder Rebounds geht es schnell in Richtung Korb, wo die athletischen Spielerinnen Abschlüsse suchen oder Fouls ziehen können.
Malis Trainer kündigt selbstbewussten Auftritt an
Headcoach Oumarou Sidiya sieht den Sieg gegen Spanien als Ergebnis einer langfristigen Entwicklung im malischen Basketball. Viele seiner Spielerinnen hätten bereits gemeinsam die Nachwuchsteams durchlaufen und anschließend Erfahrung in europäischen Ligen gesammelt.
Vor Deutschland kündigte Sidiya an, den bisherigen Weg konsequent fortsetzen zu wollen. Die Gastgeberinnen würden respektiert, Mali wolle aber genauso auftreten wie zuvor gegen Japan und Spanien. Für beide Seiten werde es ein großes Spiel.
Damit reist Mali keineswegs mit der Haltung eines klassischen Außenseiters in die Berlin Arena. Nach dem Sieg gegen Spanien weiß die Auswahl, dass sie auch einen europäischen Topgegner bezwingen kann.
Deutschland und Mali erstmals bei einer WM gegeneinander
Das Spiel besitzt auch historischen Charakter. Deutschland bestreitet 2026 erst seine zweite Frauen-WM nach der Heim-Weltmeisterschaft 1998. Mali war dagegen 2010 und 2022 bei WM-Endrunden vertreten.
Da sich die WM-Teilnahmen bislang nicht überschnitten haben, ist Deutschland gegen Mali das erste WM-Duell beider Teams.
Vor dem Turnier hatte FIBA Deutschland noch als deutlichen Favoriten für dieses Gruppenspiel eingeordnet. Nach Malis Auftritten gegen Japan und insbesondere Spanien hat sich die Wahrnehmung jedoch verändert.
Ein Sieg könnte sogar direkt ins Viertelfinale führen
Für Deutschland geht es am Montag deshalb um weit mehr als einen erfolgreichen Abschluss der Vorrunde.
Der neue WM-Modus sieht vor, dass lediglich die vier Gruppensieger direkt für das Viertelfinale qualifiziert sind. Die Teams auf den Plätzen zwei und drei müssen zunächst in einem zusätzlichen K.-o.-Spiel um den Einzug unter die besten Acht antreten.
Deutschland könnte sich diesen Umweg noch ersparen. Dafür benötigt die DBB-Auswahl einen eigenen Sieg gegen Mali und gleichzeitig einen Erfolg Japans über Spanien.
Setzt sich Spanien gegen Japan durch, würde Deutschland bei einem Sieg über Mali auf Rang zwei landen und müsste in die Viertelfinal-Qualifikation.
Ein deutscher Erfolg ist deshalb unabhängig vom Parallelspiel von enormem Wert: Er garantiert zumindest die Teilnahme an der Finalphase.
Deutschland gegen Mali: Ein echtes Gruppenfinale
Vor Beginn der Frauen-Basketball-WM 2026 hätte wohl kaum jemand erwartet, dass alle vier Teams der Gruppe A vor dem letzten Spieltag exakt bei einer Bilanz von 1:1 stehen würden.
Spanien dominierte zunächst Deutschland mit 83:53 und verlor anschließend überraschend gegen Mali. Japan stellte gegen Mali einen Dreierrekord auf und scheiterte einen Tag später deutlich an der deutschen Defense. Deutschland wiederum verwandelte einen enttäuschenden Turnierstart innerhalb von 24 Stunden in den ersten WM-Sieg seit 28 Jahren.
Nun kommt es auf das dritte Spiel an.
Deutschland muss Malis Transition stoppen, die Rebounds kontrollieren und körperlich dagegenhalten. Gleichzeitig braucht die DBB-Auswahl offensiv mehr Konstanz. Die 74 Punkte gegen Japan waren ein Fortschritt, doch Mali hat in seinen beiden bisherigen WM-Partien durchschnittlich fast 90 Punkte erzielt.
Bundestrainer Lange bringt die Ausgangslage deshalb auf die einfachste Formel: Deutschland will und muss gewinnen.
Gelingt das, geht die Heim-WM weiter. Und mit etwas Schützenhilfe von Japan könnte der Weg sogar direkt ins Viertelfinale führen.