Olaf Lange: Der Berliner coacht die DBB-Damen bei der WM 2026

Wenn das deutsche Frauen-Team bei der Basketball-WM 2026 in Berlin um eine Medaille kämpft, steht an der Seitenlinie ein Trainer, dessen Karriere kaum internationaler sein könnte. Olaf Lange arbeitete in Deutschland, Spanien, Australien, Russland und den USA, gewann nationale Meisterschaften, die EuroLeague und die WNBA und betreute gleich mehrere Nationalteams. Nun ist der gebürtige Berliner dort angekommen, wo seine Laufbahn einst begann: in seiner Heimatstadt und beim Deutschen Basketball Bund (DBB).

Für Bundestrainer Lange ist die Weltmeisterschaft vom 4. bis 13. September 2026 deshalb weit mehr als ein gewöhnliches Turnier. Deutschland ist Gastgeber, die Erwartungen an die in den vergangenen Jahren stark gewachsene Nationalmannschaft sind hoch – und gleichzeitig könnte Lange im Verlauf der WM auf eine ganz besondere Gegnerin treffen. Seine Ehefrau Sandy Brondello ist australische Nationaltrainerin und gehört ebenfalls zu den renommiertesten Coaches im internationalen Frauenbasketball. Damit stehen bei der WM in Berlin zwei Ehepartner an der Seitenlinie, die seit Jahrzehnten gemeinsam durch die Basketballwelt ziehen und bei diesem Turnier plötzlich zu Konkurrenten werden könnten.

Von Berlin hinaus in die Basketballwelt

Olaf Lange wurde am 30. März 1972 in Berlin geboren. Seine Trainerlaufbahn begann bereits früh im Süden der Stadt. Zunächst arbeitete er beim VfL Lichtenrade, anschließend mehrere Jahre in der Nachwuchsabteilung des TuS Lichterfelde. Parallel sammelte er Erfahrungen im Berliner Basketball-Verband und studierte Sportwissenschaft. Lange war damit schon als junger Trainer stärker an einer Karriere auf der Bank als an einer eigenen Laufbahn als Profispieler interessiert.

Der entscheidende Schritt in den Spitzenbasketball folgte 1995. Lange wechselte zum BTV Wuppertal, der später als Gold-Zack Wuppertal zu einem der dominierenden Frauenbasketball-Teams Europas wurde. Zunächst arbeitete er als Assistenztrainer, 1997 übernahm er als Head Coach. Bereits 1996 hatte Wuppertal mit Lange im Trainerstab die EuroLeague gewonnen. In seiner Zeit als Cheftrainer folgten fünf deutsche Meisterschaften von 1998 bis 2002.

Wuppertal war allerdings nicht nur für Langes sportliche Karriere prägend. Dort begegnete er auch Sandy Brondello, die zwischen 1992 und 2002 für den Verein spielte. Die australische Nationalspielerin gehörte zu den herausragenden Point Guards ihrer Generation. Aus Trainer und Spielerin wurde später ein Ehepaar – und schließlich eines der ungewöhnlichsten und erfolgreichsten Trainerduos im internationalen Basketball.

Schon 1998 bei einer Heim-WM in Berlin dabei

Eine besondere Verbindung besteht zwischen Lange und Basketball-Weltmeisterschaften in Berlin bereits seit fast drei Jahrzehnten. Als Deutschland 1998 die Frauen-WM ausrichtete, gehörte der damals noch junge Coach zum Trainerstab der deutschen Mannschaft. Gespielt wurde damals unter anderem in der Max-Schmeling-Halle – also an einem jener Orte, die auch 2026 wieder im Mittelpunkt der Basketballwelt stehen.

Lange erinnerte kurz vor der WM 2026 daran, dass es für ihn bereits die zweite Weltmeisterschaft in seiner Heimatstadt sei. 1998 arbeitete er noch als Co-Trainer unter Bernd Motte, heute trägt er selbst die Gesamtverantwortung.

Auch als Bundestrainer ist Lange kein Neuling. Der DBB setzte bereits 1998 auf ihn, später betreute er die Frauen-Nationalmannschaft von 2001 bis 2003. Hinzu kamen Aufgaben bei den deutschen U20-Frauen, den U20-Männern und der A2-Auswahl. Seine Rückkehr im Herbst 2025 ist deshalb seine dritte Amtszeit an der Spitze der deutschen Frauen. Sein aktueller Vertrag beim DBB läuft bis zum 30. August 2028 und damit über die Olympischen Spiele in Los Angeles hinaus.

Erfolge in Spanien, Australien und Russland

Nach seiner ersten langen Phase im deutschen Basketball zog es Lange zunehmend ins Ausland. Über den Mitteldeutschen Basketball Club und eine Station bei Ros Casares Valencia führte sein Weg in die USA. Später arbeitete er unter anderem bei den San Antonio Silver Stars in der WNBA und übernahm in Australien den Logan Thunder als Cheftrainer.

Seine erfolgreichste Zeit als Vereinstrainer erlebte Lange schließlich beim russischen Spitzenklub UGMK Jekaterinburg. Von 2012 bis 2018 leitete er eines der prominentesten Teams im europäischen Frauenbasketball. Unter seiner Führung gewann Jekaterinburg 2013 und 2016 die EuroLeague. Hinzu kamen fünf russische Meisterschaften sowie nationale Pokal- und Supercup-Erfolge. In einem Kader voller internationaler Topstars musste Lange nicht nur Basketballfachwissen beweisen, sondern vor allem mit großen Persönlichkeiten und hohen Erwartungen umgehen können.

Von 2017 bis 2019 arbeitete Lange außerdem als Cheftrainer der russischen Frauen-Nationalmannschaft. Gleichzeitig sammelte er umfangreiche Erfahrungen mit der australischen Auswahl. Dort war er unter anderem Assistent seiner Frau Sandy Brondello. Bei der Weltmeisterschaft 2022 in Sydney gewann Australien Bronze, bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris folgte ebenfalls die Bronzemedaille.

Damit kennt Lange nicht nur den deutschen Basketball, sondern auch mehrere jener Nationen und Spielsysteme aus unmittelbarer Nähe, die Deutschland bei einer Weltmeisterschaft auf dem Weg zu den Medaillen begegnen können.

Zweimal WNBA-Champion

Auch in der stärksten Frauenliga der Welt hat sich Lange längst einen Namen gemacht. Von 2019 bis 2021 arbeitete er als Assistenztrainer bei den Chicago Sky. 2021 gewann das Team die WNBA-Meisterschaft. Ab 2022 gehörte Lange zum Trainerstab der New York Liberty, mit denen 2024 der nächste WNBA-Titel folgte.

Zur Saison 2026 wechselten Lange und Brondello gemeinsam zum neuen WNBA-Team Toronto Tempo. Sandy Brondello ist dort Head Coach, Lange arbeitet als Associate Head Coach. Diese Tätigkeit hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Vorbereitung der deutschen Mannschaft auf die Heim-WM: Da die WNBA erst kurz vor Beginn des Turniers pausierte, konnte Lange erst relativ spät vollständig zum DBB-Team stoßen. Die Arbeit war jedoch von Beginn an entsprechend geplant worden; unter anderem sollten Stefan Möller und Julie Barennes die Abläufe in Langes Abwesenheit absichern.

Diese Doppelrolle macht zugleich deutlich, wie stark Lange im internationalen Spitzenbasketball vernetzt ist. Einige seiner deutschen Nationalspielerinnen kennt er auch aus der WNBA. Nyara Sabally spielt 2026 beispielsweise ebenfalls für Toronto Tempo.

Olaf Lange und Sandy Brondello: Ein Leben für den Basketball

Die Geschichte von Olaf Lange und Sandy Brondello zieht sich durch große Teile ihrer Karrieren. In Wuppertal war Brondello Spielerin und Lange zunächst Trainer. Später wechselten die Rollen immer wieder. Bei Logan Thunder und UGMK Jekaterinburg arbeitete Brondello unter Lange, bei Nationalmannschaften und in der WNBA wiederum Lange unter Brondello.

Lange selbst betrachtet diese Konstellation wesentlich nüchterner als Außenstehende. Was für viele Beobachter ungewöhnlich wirkt, sei für das Paar längst Alltag. „Für meine Frau und mich ist das alltägliches Allerlei“, erklärte Lange bereits vor seiner Rückkehr zum DBB.

Auch aktuell bilden die beiden bei Toronto Tempo ein Trainerteam. Während der WM 2026 trennen sich ihre sportlichen Wege jedoch: Lange coacht Deutschland, Brondello Australien.

Brondello gehört selbst zu den großen Namen des Frauenbasketballs. Als Spielerin nahm sie mit Australien an vier Olympischen Spielen teil und gewann zweimal Silber. Seit 2017 ist sie Cheftrainerin der australischen Nationalmannschaft. Unter ihrer Führung holten die Opals unter anderem WM-Bronze 2022 und Olympia-Bronze 2024. Für Berlin hat Australien erneut eine Mannschaft zusammengestellt, die um die Medaillen spielen soll. FIBA bezeichnet Brondello vor dem Turnier als dienstälteste Nationaltrainerin in der Geschichte der australischen Opals.

Treffen Olaf Lange und seine Frau bei der WM aufeinander?

Deutschland und Australien spielen bei der WM zunächst in unterschiedlichen Gruppen. Das DBB-Team trifft in Gruppe A auf Spanien, Japan und Mali, während Australien in Gruppe C gegen Belgien, Puerto Rico und die Türkei antritt. Abhängig vom Verlauf des Turniers ist allerdings bereits in der K.-o.-Phase ein direktes Duell möglich.

Für Lange wäre das kein völlig neues Erlebnis. Er und Brondello haben bereits in der WNBA gegeneinander gecoacht. Besonders kurios verlief das Finale 2021: Lange gewann als Assistenztrainer mit Chicago Sky die Meisterschaft gegen Phoenix Mercury, das damals von Brondello trainiert wurde.

Für das Ehepaar selbst stellt ein mögliches WM-Duell deshalb offenbar kein Problem dar. „Wenn wir gegeneinander spielen, stört uns das überhaupt nicht“, sagte Lange unmittelbar vor der Weltmeisterschaft.

Die kompliziertere Situation entstand damals offenbar für die gemeinsamen Kinder. Lange erinnerte sich an das WNBA-Finale und bezeichnete solche familiären Konstellationen als „surreale Momente“. Während er den Titel gewann, waren die Kinder traurig über die Niederlage ihrer Mutter.

Viel gemeinsames Familienleben wird es während der WM in Berlin ohnehin kaum geben. Deutschland und Australien arbeiten mit ihren eigenen Trainerstäben, bereiten Spiele vor, analysieren Gegner und absolvieren Trainingseinheiten. Die Vorstellung, Lange und Brondello könnten die WM nebenbei wie einen gemeinsamen Aufenthalt in Berlin erleben, wies der Bundestrainer kurz vor Turnierbeginn zurück: Eine Weltmeisterschaft bedeute für Trainer vor allem Arbeit – praktisch rund um die Uhr.

Heim-WM in der Geburtsstadt: „Eine Art Homecoming“

Dass ausgerechnet Berlin Schauplatz dieser besonderen Phase seiner Karriere ist, verleiht Langes Rückkehr zusätzliche Bedeutung. Nach Jahrzehnten im Ausland bezeichnete er sein Engagement beim DBB bereits bei seiner Verpflichtung als etwas Besonderes. „Nach vielen Jahren im Ausland ist es für mich etwas Besonderes, nach Deutschland zurückzukehren“, erklärte der Bundestrainer.

Gegenüber rbb24 sprach Lange sogar von einer Art „Homecoming“. Seine Familie hatte in den vergangenen Jahren ihren Lebensmittelpunkt überwiegend in den USA. Der Berliner Basketball blieb dennoch Ausgangspunkt seiner Karriere – und nun bekommt Lange die Gelegenheit, die bislang größte Phase des deutschen Frauenbasketballs in seiner Geburtsstadt mitzugestalten.

Die Ausgangslage hat sich allerdings kurz vor dem Turnier erschwert. Vor allem der Ausfall von Satou Sabally trifft Deutschland schwer. Gleichzeitig kehrte Leonie Fiebich rechtzeitig aus der WNBA zurück, Nyara Sabally konnte nach ihrer Wadenverletzung wieder trainieren. Lange bezeichnet Deutschland trotz der Schwierigkeiten grundsätzlich als eine Mannschaft, die international weit vorne mitspielen kann.

Olaf Lange sieht eine „goldene Generation“

Das langfristige Projekt reicht dabei über die WM 2026 hinaus. Lange spricht vom Aufbau eines Programms, das über mehrere Jahre regelmäßig um internationale Medaillen kämpfen soll. Die Heim-WM ist ein wichtiger Schritt, anschließend folgen weitere Großereignisse bis hin zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.

Die personellen Voraussetzungen hält der Bundestrainer grundsätzlich für außergewöhnlich. „Wir haben eine Art goldene Generation“, sagte Lange wenige Tage vor dem WM-Auftakt. Mehrere deutsche Spielerinnen haben inzwischen den Sprung in die WNBA geschafft, andere gehören zu europäischen Spitzenteams.

Bereits nach seiner Verpflichtung hatte er ähnlich ambitioniert formuliert: Wenn alle Leistungsträgerinnen gesund und in Bestform zur Verfügung stünden, sei Deutschland ein Medaillenkandidat. Gleichzeitig versucht Lange, die Erwartungen vor der Heim-WM realistisch einzuordnen. Gerade die extrem kurze gemeinsame Vorbereitung der WNBA-Spielerinnen und die Verletzungssituation machen eine Weltmeisterschaft schwer planbar.

Welche Art Basketball Olaf Lange spielen lassen will

Schon während der WM-Qualifikation im März skizzierte Lange seine Vorstellungen. Deutschland soll beweglich, variabel und möglichst schnell spielen. Die Mannschaft verfügt über Größe und Reboundstärke, soll sich offensiv aber nicht ausschließlich auf ihre körperlichen Vorteile verlassen. Stattdessen fordert Lange Ballbewegung, mehrere Ballhandler und Lösungen aus dem freien Spiel.

Als zentrale Begriffe nennt er „Effort und Mindset“ sowie Intensität und Konstanz. Gleichzeitig legt er großen Wert auf eine funktionierende Teamkultur. Seine Mannschaft soll während eines Turniers lernen und sich von Spiel zu Spiel weiterentwickeln.

Gerade darin dürfte Langes enorme Erfahrung eine wichtige Rolle spielen. Er kennt die WNBA ebenso wie die EuroLeague, arbeitete mit Weltstars und Nachwuchsspielerinnen, als Cheftrainer und Assistent, in mehreren Basketballkulturen und für unterschiedliche Nationalmannschaften. Von einer festgefahrenen Trainerbiografie kann bei ihm kaum die Rede sein.

Bei der Frauen-Basketball-WM 2026 fügt sich nun vieles zusammen: Olaf Lange kehrt als Bundestrainer nach Berlin zurück, übernimmt eine der talentiertesten deutschen Mannschaften der Geschichte und könnte auf dem Weg zu einer Medaille ausgerechnet auf das Australien seiner Frau Sandy Brondello treffen. Für den 54-Jährigen ist die Heim-WM damit sportlich wie persönlich eines der außergewöhnlichsten Turniere seiner langen Karriere.

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